Erfassung, Ursachen und Folgen von Mikrobewegungen am Implantat-Abutment-Interface

Zipprich, Holger Kontaktadresse / Weigl, Paul / Lange, Bodo / Lauer, Hans-Christoph

Abstract

Die meisten mehrteiligen Implantatsysteme benutzen ein mit einer Spielpassung versehenes Fügedesign zwischen Implantat und Abutment. Die klinische Relevanz einer hoch- und zyklisch belasteten Implantat-Abutment-Verbindung wird wegen folgender Gegebenheiten als hoch eingeschätzt:

  • zwei- oder mehrteilige Implantatsysteme werden wegen bekannter klinischer und zahntechnischer Vorteile sehr viel häufiger benutzt als einteilige Implantate
  • das erhöhte Auftreten von technischem Versagen der Implantat-Abutment-Verbindung bei unverblockten Seitenzahnkronen.
  • die bei einem crestal oder subcrestal platzierten Implantat-Abutment-Interface häufig auftretende crestale Knochenresorption nach Abutmentmontage

Ziel einer in vitro Studie war, das Verhalten von Implantat-Abutment-Verbindungen unter simulierten Kaubelastungen zu evaluieren. Unter besonderem Interesse stand die Erfassung von Mikrobewegungen zwischen Abutment und enossalem Implantatkörper während einer dynamischen Lasteinleitung. Hierbei wurden die Abutments unter 30° mit einer Kraft bis zu 200N belastet. Der Kraftangriffspunkt war 8 mm von der Implantatplattform entfernt, die Anstiegsgeschwindigkeit der Kraft betrug 0,3N/ms. Das Interface der Implantat-Abument-Verbindung wurde röntgenologisch mit einer Videokamera (1.000 Bilder/s) erfasst und vermessen.

Die Ergebnisse zeigen, dass komplexe mechanische Mechanismen für die Entstehung oder das Ausbleiben von Mikrobewegungen unter simulierten klinischen Bedingungen wirken (siehe Videofilme). Sämtliche Implantat-Abutment-Verbindungen mit Spielpassung weisen Mikrobewegungen auf (Implantatsysteme: SIC®; Replace Select®; Camlog®; XIVE®; Straumann synOkta und Fräszylinder®; Bego-Semados®; Straumann Massivsekundärteil®). Bei präzis gefertigten Konusverbindungen mit Presspassung (Implantatsysteme: Ankylos®; Astra Tech®) konnten keine Mikrobewegungen beobachtet werden.

Die klinische Relevanz der Ergebnisse kann derzeit nur theoretisch abgeleitet werden. Demnach spielt der durch die Mikrobewegung verursachte Pumpeffekt eine entscheidende Rolle bei der crestalen Knochenresorption. Es wird eine Kontamination des Knochens mit der im Implantat enthaltenen Flüssigkeit angenommen.

Der Artikel ist in der Zeitschrift Implantologie vom Quintessenz Verlag, Berlin erschienen. (Jahrgang 15,2007 Nr. 1, Seiten 31-46)

Filme zur Veröffentlichung

ASTRA TECH Implantat
Astra Tech Dental

BEGO SEMADOS®
BEGO Implant Systems

Regular Neck mit Massivsekundärteil
Institut Straumann

Regular Neck mit synOkta und Fräszylinder
Institut Straumann



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Kontakt

Dipl.-Ing. Holger Zipprich
Poliklinik für zahnärztliche Prothetik, Sektion Werkstoffkunde
Theodor-Stern-Kai 7 / Haus 29, D-60590 Frankfurt am Main
Tel: +49 (0)69/6301-4714, eMail:zipprich@em.uni-frankfurt.de

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